WIRTSCHAFTLICHKEIT

Im Zentrum von Seremik steht die additive Fertigung mit 3D-Druckern. Die digitalisierte Herstellung erhöht die Wirtschaftlichkeit von kleinen Stückzahlen und hoher geometrischer Komplexität und erspart dadurch ebenso viel teure Arbeitskraft wie die Massenproduktion.

Meine 3D-Drucker wurden in liebevoller Handarbeit in den Niederlanden zusammengesetzt und kosten dabei ein Bruchteil von Industriemaschinen, deren Haltbarkeit und Präzision für Massenproduktion entwickelt wurde. Jedes Teil ist dabei austauschbar oder gleich an Ort und Stelle reparierbar.

VERBRAUCH VON TON, WASSER, STROM

Maschinen, die Material hinzufügen, anstatt es abzutragen oder zu schneiden, ermöglichen Rohstoffe einzusparen, weil nur das Material verbraucht wird, dass für das Objekt benötigt wird. Es entstehen weder Späne, Schnittreste noch sonstiger Ausschuss, der aufwendig recycelt oder entsorgt werden muss.

Die Seremik Tondrucker von Vormvrij gehen noch einen Schritt weiter, denn praktisch alles an Tonmaterial, was für die Einrichtung, durch Fehldrucke etc. verbraucht wird, kann wie jeder andere Töpferton zu 100% wiederverwendet werden. Ausschussmaterial geht direkt zurück in den luftdichten Tonbeutel, wo er feucht bleibt, getrocknetes Material wird gewässert und bei der nächsten Aufbereitung wieder hinzugefügt. Das Wasser zur Tonaufbereitung benutze ich mehrfach.

Auch wenn Tonminerale auf der Erde massenhaft zu finden sind, sind sie endlich und einmal gebrannt können sie auch nicht mehr in ihren Ausgangszustand zurückversetzt werden. Zu rezyklierende Keramik wird daher mechanisch zerkleinert und als Beimischung oder Schamotte für rohe Mineralien wiederverwendet.

Ton und andere Feststoffe wie Glasuren, Gips etc. werden in einem Tonabscheider gefiltert und alle 2 Monate korrekt entsorgt. Da ich ausser etwas Reinigungsalkohol nur Vaseline für Hände und Maschinen verwende bleibt das Abwasser von Seremik praktisch unbelastet. Der Stromverbrauch für Maschinen und Kompressor ist im Vergleich zu jeder anderen Werkstatt gering.

Tonaufbereitung mit Shimpo Vakuumtonpresse

LÄRM UND LUFTVERSCHMUTZUNG

Drucker, Tonpresse, Kompressor und Brennofen sind so leise, dass ich im Erdgeschoss eines Wohnhauses produzieren kann, ohne meine Nachbarn zu stören. Mineralstaub entsteht beim Ausbessern von gebranntem Ton durch Schleifen und beim Ansetzen von Pulverglasuren, giftige Dämpfe beim Löten — entsprechend schütze ich mich bei der Arbeit.

PLATZBEDARF

Die Möglichkeit, erst auf Bestellung zu produzieren, mit einem digital gespeicherten Modell und auch noch auf kleinstem Raum machen Lagerhallen überflüssig. Da ich bei Seremik auf Bestellung produziere und darum wenig Platz benötige, kann ich wieder dorthin, wo meine Kundinnen leben: In die Stadt.

Komponenten für Seremik Leuchten

UNFAIRE ELEKTRONIK

Traurigerweise gibt es Stand heute keinen einzigen Hersteller, der von sich behaupten darf, vollständig fair und nachhaltig Elektronik produzieren zu können.

Ein elektronisches Bauteil besteht aus einer Vielzahl von Materialien, eine funktionale Komponente aus vielen Bauteile, die wiederum von einer Vielzahl von Unternehmen stammen. Die Kette der einzelnen Hersteller und zwischengeschalteten Verkäufer und Lieferanten ist so lang und breit, dass es heute praktisch unmöglich ist, zu identifizieren, woher die Rohstoffe einer fertigen Platine im einzelnen stammen — auch Apple oder Fairphone können das nicht. Erschwerend kommt nämlich hinzu, dass diese bei Zwischenhändlern zwangsläufig vermischt werden, so dass ein in Europa rezykliertes Zinn regelmässig irgendwo auf der Welt wieder mit illegal geschürftem Material zusammen kommt.

Besonders bei Zinn, Tantal, Gold und Wolfram — essentiell für die Herstellung von Elektronik — ist dies von grosser Bedeutung, da diese noch bis zu 50% im Kleinbergbau abgebaut werden. Die ärmsten der Armen schürfen hier unter Zwang, ohne jede staatliche Kontrolle, ohne Gesundheitsschutz oder Bezahlung, oft mit blossen Händen, und der Gewalttätigkeit ihrer «Arbeitgeber» ausgeliefert. Solange die Lieferkette also nicht vollständig bekannt ist, im Ostkongo Krieg herrscht und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken Chinas und Südostasiens nicht entscheidend verbessert werden, werde weder ich noch irgendjemand anders vollständig fair hergestellte Elektronik erwerben können.

Es bleibt mir momentan, darauf zu achten, diese in Schwerstarbeit hergestellten Komponenten solange zu verwenden, wie sie funktionieren. Um wenigstens dem Wert der darin realisierten, menschlichen Leistung den Respekt entgegenzubringen, der den wirklichen Produzenten nicht zuteil wurde.

Dazu habe ich mir bei Seremik ein paar Regeln aufgestellt

  • nur Elektronik verwenden, deren Funktion dokumentiert ist, die aus heutiger Sicht auch in vielen Jahren noch technologisch sinnvoll und möglichst vielseitig nutzbar sein kann
  • Komponenten als einfach lösbare und identifizierbare Einheit verbauen, z.B. durch Schrauben, durch Beschriftung, durch angebrachten Link zur Dokumentation
  • überprüfbar fair abgebaute Rohstoffe einsetzen, z.B. Fairtin von Stannol
  • wo immer möglich auch gebrauchte, aber voll funktionsfähige Komponenten und Bauteile, sowie Rohstoffe aus europäischem oder us-amerikanischem Recycling verwenden, z.B. Fairloetet von Stannol
  • wenigstens teilweise fair und umweltschonend endgefertigte Materialien und Bauteile einsetzen, z.B. aus Europa, USA oder Japan
ST64 LED Filament LED Glühbirne — hergestellt in China

LED'S

Die LED-Herstellung ist im Zuge der Zukäufe in Nordamerika und Europa bald vollständig in chinesischer Hand. Vor allem, da sich kein westliches Unternehmen zutraut, LED’s unter den hier geltenden Umweltschutzbestimmungen wirtschaftlich herstellen zu können. Die grossen europäischen Leuchtmittelunternehmen sind im Gegenteil sicher sehr froh die unsäglich aufwendige und giftige Herstellung von LED’s nur im Auftrag und sehr, sehr weit weg von ihnen stattfinden zu lassen.

Leider sind aber auch LED’s nicht ewig haltbar, Lichtstärke und Farbqualität lassen mit der Zeit nach, so dass sie nicht mehr die ursprünglichen Farb- und Effizienzkriterien erfüllen.

Kaputte oder nur noch 70% ihrer ursprünglichen Kraft leuchtende LED’s können bei Seremik Produkten von Optik und Kühlkörper getrennt und werden durch mich gesammelt und mit frischen Leuchtmitteln getauscht. Ich behalte sie dann gerne, bis in der Schweiz oder Europa ein wirtschaftliches Recycling-Verfahren entwickelt wurde — zurzeit wissen die Institutionen nämlich noch nicht wohin damit.